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Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Polsum



Der große Dorfbrand, der im April 1901 in Polsum wütete und - wie im Gedicht des Heimatdichters Julius Wegener beschrieben - großen Schaden anrichtete, gab dem Gedanken an eine organisierte Brandbekämpfung Auftrieb. Bis dahin war es auch in Polsum üblich, daß die "Gemeinschaft", die Nachbarschaft mit einfachsten Mitteln dem Brand zu Leibe rückte.


Nach einer Regierungsanordnung zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts war jeder Hauseigentümer verpflichtet, einen Feuereimer aus Leder und einen Feuerhaken (Einreißhaken) gebrauchsfähig vorzuhalten. Die Gemeinde Polsum hielt eine von Hand zu betätigende Kübelspritze vor.


Im Jahre 1879 erging eine Verfügung des Landrates Reitzenstein an die Gemeinde Polsum, eine Summe von 1.000 Reichsmark in den Haushaltsplan zur Beschaffung einer von Pferden gezogenen Brandspritze einzustellen. Da diese Summe den Haushaltsplan der Gemeinde gesprengt hätte, wurde die Beschaffung abgelehnt. Um jedoch den guten Willen zu zeigen, wurden stattdessen einige Handspritzen - etwa 10 Liter Wasser fassend - beschafft. Die Aufsichtsbehörde gab sich jedoch mit dem Verhalten der Gemeinde Polsum nicht zufrieden und begegnete der Ablehnung schließlich im Jahre 1887 mit einer zwangsweisen Einstellung von zunächst 200 Reichsmark in den Haushalt.


Aus der Chronik ist leider nicht mehr festzustellen, wie viel Zeit noch bis zur Beschaffung der Spritze verging.


Vom großen Dorfbrand bis zur Gründung der Polsumer Feuerwehr vergingen jedoch noch 8 Jahre.


Am 1.August 1909 wurde in der Gastwirtschaft Joseph Heitfeldt (heute "Don Camillo") unter der Leitung von Amtmann Barkhaus eine Bürgerversammlung abgehalten, in der die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr beschlossen wurde.


Am 8. August 1909 wurde unter Mithilfe des 1. Brandmeisters der Marler Feuerwehr, Amtsbaumeister Birkenfeld, die Freiwillige Feuerwehr Polsum mit 23 Männern gegründet. Zum 1. Brandmeister wurde der Wirt und Bäcker Joseph Heitfeldt und zu seinem Stellvertreter der Holzhändler Aloys Wegener gewählt.


 

 


Die Gerätschaften der Feuerwehr, einschließlich der von Pferden gezogener Spritze, waren in den ersten Jahren an der Marler Straße 6, jetzt Kolpingstraße (Imbiss) behelfsmäßig untergebracht. Bei Feueralarm spannte der Wehrführer Joseph Heitfeldt seine Pferde vom Bäckerwagen ab und vor die Brandspritze.


Die Feuerwehr ließ neben der Arbeit aber auch die Geselligkeit nicht zu kurz kommen. Am 20. Januar 1910 feierten die Wehrmänner erstmals im Vereinslokal Heitfeldt "Kaisers Geburtstag". Ein Jahr später wurde dieses Fest gemeinsam mit der Bevölkerung im Saal Schäpers (Gertrudenhof) gefeiert. Diese Feste waren die Vorläufer unseres traditionellen Winterfestes.


1913 stellte man einen eigenen Spielmannszug auf, der sich in den Zwanzigerjahren zu einer Musikkapelle entwickelte. Hervorgegangen ist diese Kapelle aus der "Beckmann'schen Kapelle", einer damals über die Grenzen Polsum´s bekannten Musikgruppe.


Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 wurde die Feuerwehr durch Zwangsverpflichtete aufgefüllt, da viele freiwillige Helfer zum Wehrdienst herangezogen wurden. 1920 wurde die Zwangsverpflichtung wieder aufgehoben und zum freiwilligen Dienst zurückgekehrt. 1923 überwies der Rat der Gemeinde Polsum der Wehr einen Betrag von 100.000.000 Reichsmark, den Gegenwert von zwei Broten.

Den langen Bemühungen der Wehr um ein eigenes "Zuhause" war 1927 Erfolg beschieden. Die Gemeinde begann mit dem Bau des Gerätehauses, "Im Breil". Anläßlich des 20jährigen Bestehens der Wehr im Jahre 1929 wurde das Gerätehaus mit einem Mannschaftswagen und Motorspritze in Dienst genommen. Damit hatte die alte pferdebespannte Spritze ausgedient.


 


Ein neues Feuerschutzgesetz faßte 1934 die kleinen selbstständigen Wehren zu größeren Einheiten zusammen. Die Wehr Polsum wurde ein Löschzug (VI) des damaligen Amtsverbandes Marl. Gleichzeitig wurde das aktive Höchstalter für Männer auf 65 Jahre festgesetzt.


Dadurch mußte der erste Brandmeister Joseph Heitfeldt und mit ihm mehrere Gründer der Wehr zur Altersabteilung überwechseln. Zum Nachfolger wurde am 12. Januar 1935 Franz Thüning gewählt.


Die Kriegsjahre des 2. Weltkrieges stellen die Feuerwehr vor große Probleme. Die aktiven Mitglieder mußten größtenteils Kriegsdienst leisten, eine ständige Alarmbereitschaft war einzurichten. Zur Bewältigung der Aufgabe wurde eine Jugendgruppe aufgestellt. Als aus dieser Gruppe 1941 fünf junge Männer ebenfalls zum Kriegsdienst eingezogen wurden, nahmen Männer der Altersabteilung ihren aktiven Dienst wieder auf. Schließlich mußte man wieder Zwangsverpflichtungen aussprechen und als letzte Reserve wurde gar eine Mädchengruppe aufgestellt, die jedoch nicht zum Einsatz kam.


Ihrer ganzen Ausrüstung beraubt wurde die Wehr beim Zusammenbruch 1945. Fahrzeuge, Geräte und Motorspritze waren zunächst abhanden gekommen, konnten jedoch nach einiger Zeit beschädigt wieder herbeigeschafft werden. Unermüdlich wurde am Wiederaufbau der Wehr gearbeitet, so daß 1947 die Wehr, wenn auch bescheiden ausgerüstet, wieder stand.


1953 schied Brandmeister Franz Thüning wegen Erreichens der Altersgrenze aus dem aktiven Dienst aus. Wegen seiner großen Verdienste wurde er zum Ehrenbrandmeister ernannt.


Sein Nachfolger wurde Herbert Kortmann, der 30 Jahre lang dem Löschzug Polsum vorstand. Auch er wurde aufgrund seiner großen Verdienste für den Löschzug zum Ehrenbrandmeister ernannt.


Mit dem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung verbesserte sich auch die gerätemäßige Ausstattung, so dass eine zusätzliche Fahrzeughalle gebaut werden mußte, die 1973 eingeweiht werden konnte.


Am 1. Januar 1975 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Polsum in die Stadt Marl eingemeindet. Die Wehr Polsum ist seither ein Löschzug des Stadtfeuerwehrverbandes Marl.


Im Jahre 1978 entstand mit maßgeblicher Beteiligung des Löschzugs Polsum die Parterschaft mit der Feuerwehr unserer französischen Partnerstadt Creil. Daraus sind im Laufe der Jahre auch viele persönliche Freundschaften entstanden, welche immer noch gepflegt werden, obwohl aufgrund von Strukturänderungen im französischen Feuerwehrwesen die Verbndung auf Basis der Städtepartnerschaft nach fast 25 Jahren beendet werden musste. Für ihre Verdienste um den Aufbau und den langen Bestand dieser Partnerschaft auf französischer Seite wurden Francis Maillard und Daniel Raveau zu Ehrenbrandmeistern des Löschzuges Polsum ernannt.


Eine notwendige Erweiterung des Schulungsraumes wurde bei der Bereitstellung der Sachmittel durch die Stadt von den Feuerwehrkameraden in vielen Stunden Eigenleistung 1982 durchgeführt.


Nachdem zwischenzeitlich die Altersgrenze für aktive Wehrmänner auf 60 Jahre herabgesetzt wurde, wechselte im März 1983 Herbert Kortmann in die Alters- und Ehrenabteilung über. Sein Nachfolger wurde Hubert Röhling, der mit seinem Vertreter Heinz Tenkotten die Geschicke des Löschzuges bis 1999 leitet. Erfreulicherweise konnte im Jahr 1987 durch die Zuweisung von Fahrzeugen des Katastrophenschutzes die Bestückung des Löschzuges erheblich verbessert werden. Hinzu kam im Jahre 1995 ein kommunales Löschfahrzeug (TLF 16/24 Tr.).


Auch unter der Führung von Hubert Röhling wurden notwendige bauliche Verbesserungen an unserem Gerätehaus durchgeführt. So wurde die Fahrzeughalle verlängert und der Schulungsraum mit Küche und Sanitärräumen erweitert und modernisiert. All diese Maßnahmen wurden wegen der immer noch knappen finanziellen Lage der Stadt Marl in Eigenleistung erstellt. Zuschüsse gab es nur im beschränkten Maße für das Material.


Von 1999 an bis 2009 stand Hubert Huthmacher der Polsumer Feuerwehr als Löschzugführer mit seinem Stellvertreter Stefan Röhling unserem Löschzug vor. In seine Amtszeit fallen sowohl die Gründung der Jugendfeuerwehr des Löschzugs Polsum im Jahre 2001, als auch die Gründung des Födervereins des Löschzugs Polsum, in dem Jedermann, welcher die Polsumer Feuerwehr unterstützen möchte, als Mitglied willkommen ist.


Auch der Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses für den Löschzug Polsum konnte durchgesetzt werden.DieBaumassnahmen werden noch in diesem Jahr beginnen.


Seit dem 1. Juni 2009 nimmt der bisherige Stellvertreter Stefan Röhling, der bereits bei der Jahreshauptversammlung im März 2009 zum Nachfolger gewählt wurde, die Aufgaben als Löschzugführer wahr. Neuer stellvertretender Löschzugführer ist Werner Powierski.