Start Herbstabschluss 17.10.09

Herbstabschlussübung 2009

 

Rauch aus der Nebelkanone


Polsumer Feuerwehr simuliert einen Kaminbrand mit komplizierten Folgen


Über dem Tennen-Tor des Fachwerkhauses am Brüggenpoth ist vor fast 300 Jahren ein Spruch ins Holz geritzt worden: „O Gott, bewahr dies Haus vor Feuer und Brand.“ Das soll so bleiben - auch wenn das leer stehende Gebäude der Feuerwehr als Schauplatz für die Herbstabschlussübung dient.

Das Szenario, das Hubert Huthmacher und Christoph Steven mit Hilfe des neuen Besitzers Philipp Büning entwickelt haben, liegt nah an der Wirklichkeit. Sechs Handwerker werden beim - tatsächlich geplanten - Renovieren vom Ausbruch eines Kaminbrandes überrascht. Im Gebäude befindet sich eine Propangasflasche und mehrere Behälter mit ätzenden Flüssigkeiten.

Um 16.06 Uhr erhalten die Wehrkameraden per SMS Bescheid. „Leider gibt es in Polsum keinen Sirenenalarm mehr“, bedauert Löschzugführer Stefan Röhling, der die Übung aus erster Reihe beobachtet. Wenige Minuten nach der Alarmierung ist das erste Einsatzfahrzeug vor Ort.

Werner Powierski, stellvertretender Löschzugführer und heute Einsatzleiter, macht sich ein Bild von der Gefahrenlage. Die Ausgangssituation hat einige Tücken: Direkt vor dem Brandort ist der Bürgersteig wegen Kanalbauarbeiten aufgenommen worden. Im „brennenden“ Gebäude erzeugen fünf Nebelkanonen dichten Qualm.

Außerdem weiß von den Einsatzkräften niemand, wie viele Handwerker sich im Gebäude aufhalten. Das Innere des alten Hofes mit dem unebenen Boden und dem Gerümpel birgt ebenfalls unangenehme Überraschungen.

„Die Menschenrettung besitzt Priorität“, verdeutlicht Werner Powierski. In vier Trupps durchkämmen die Wehrleute unter schwerem Atemschutz das Gebäude. Schnell wird der erste Handwerker, augenscheinlich bewusstlos, geborgen.

„Das hat gut geklappt“, lobt der Einsatzleiter später bei der Manöverkritik. „Die Kameraden haben die Räume systematisch abgesucht. Und das, obwohl ihnen die Orientierung bei dem starken Qualm sehr schwer gefallen ist.“

Die zahlreichen Schaulustigen staunen über das geordnete Vorgehen. Jeder Mann einschließlich der Jugendfeuerwehr-Leute kennt seine Aufgabe. „Eine solche Übung zeigt uns, ob das Gesamtkonzept stimmt“, erläutert Werner Powierski. Die Strategie funktioniert -  aber sie offenbart auch die Grenzen. „Im Ernstfall hätten wir einen anderen Zug aus Sicherheitsgründen zur Hilfe gerufen“, versichert der frühere Löschzugführer und stellvertretende Stadtbrandmeister Hubert Huthmacher. Dann wären weitere Kameraden mit absolviertem Atemschutzgeräte-Lehrgang vor Ort gewesen.

Außerdem funktioniert die Absprache über Funk nicht einwandfrei. „Ein Gerät ist zum Teil ausgefallen“, moniert Einsatzleiter Powierski. Sein Chef Stefan Röhling ist dennoch zufrieden mit dem Job, den die Feuerwehr Polsum gemacht hat. „Ich habe nichts Negatives gesehen“, lobt der Löschzugführer, ohne auf Details einzugehen.

 

 

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Quelle: Marler Zeitung vom 19.10.2009, Autor Jochen Sänger